Kinder und Tiere ist eine Initative des Forschungskreises Heimtiere in der Gesellschaft

Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft

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Serie „Welches Tier für welchen Klienten?“

„Achatschnecken bringen sogar ADHS-Kinder zur Ruhe“

Meike Heier ist als Erziehungsleitung in der Kinder- und Jugendhilfe in Hildesheim beschäftigt. Die Diplom-Psychologin und zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Interventionen hat die Achatschnecke als geduldige und lehrreiche Co-Therapeutin kennengelernt.

Mensch & Tier: Frau Heier, was zeichnet Schnecken aus?

Achatschnecken, also afrikanische Riesenschnecken, lösen durch ihre seltsame Gestalt und die langsame Form der Fortbewegung Neugier und Beobachtungsdrang aus. Schon bei kleinen Kindern sind Faszination und großes Interesse an diesen Tieren zu beobachten. Kaum ein Kind wird mit ihnen traumatische Erfahrungen – wie unter Umständen mit Hunden – gemacht haben. Ekelgefühle können vorkommen, verfliegen aber meist schnell, wenn der Kontakt aufgebaut ist. Zudem sind Allergien gegen Tierhaare kein Hindernis. Achatschnecken sind ungiftig und können nicht beißen, sondern höchstens mit ihrer Raspelzunge ein wenig auf der Haut „schaben“, was mit einer rauen Katzenzunge vergleichbar ist.

Wie setzen Sie die Tiere ein?

Die Arbeit mit Achatschnecken deckt den Bereich der sensorischen Wahrnehmung und der Beobachtung ab. Durch ihre Ruhe und Langsamkeit bringen sie sogar Kinder mit einer ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zur Ruhe. Die Methoden und Lernfelder der tiergestützten Pädagogik sind sehr abwechslungsreich: Zum einen kann dem Klienten die naturwissenschaftliche Seite durch Beobachtungen zum Verhalten, zur Entwicklung oder zu den Sinnesleistungen nahegebracht werden. Auch emotionale Lernziele wie Ekelgefühle überwinden, Geduld und Konzentration aufbringen, Respekt vor anderen Lebewesen sowie instrumentelle Lernziele wie Zeichnen, Messen, Gestalten können verfolgt werden. Die Achatschnecke kann als Stellvertreterin für einheimische Schneckenarten dienen und so Begeisterung und Respekt für eher unbeobachtete, kleine Lebewesen in unserem Umfeld vermitteln. Ebenso lernen die Schüler, verantwortungsvoll und vorsichtig mit einem empfindlichen Tier umzugehen.

Was ist beim Einsatz von Schnecken zu beachten?

Es ist sehr wichtig, die Tiere mit dem richtigen Fingerspitzengefühl zu behandeln. Falsches Anfassen oder Hochnehmen können für eine Schnecke äußerst schmerzhaft sein oder sogar zum Tod führen. Auch Schnecken haben Bedürfnisse: Je nach Art sind unterschiedliche Haltungsbedingungen erforderlich, was Temperatur und Luftfeuchtigkeit betrifft. Achatschnecken können mehrere Jahre alt werden – in diesem Zeitraum hat man für die Tiere also zu sorgen. Leider findet man in nicht wenigen Kindergärten oder Schulen viel zu kleine Terrarien, in denen „vergessene“ Achatschnecken unterversorgt vor sich hinvegetieren.  

Fotos: © Meike Heier  

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E-Mail: meike.heier(at)t-online.de